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Winterfahrers Frühlingsgebet

2016
04.03

Heute war die erste Tour dieses Jahres bei 15+ C°.

Nach all den Wintertouren eine wirkliche Wohltat. Einemneuen Wohnviertel in Lütjensee hab ich in die OSM-Karte verholfen und auf dem Höltigbaum mal nach dem Rechten gesehen. Dort wird gerade dasalte Munitionsdepot platt gemacht. Sieht jedenfalls von außerhalb des Zaunes so aus. Wundert mich etwas, das war schon immer gesperrt wegen der Fledermäuse, die sich in den Bunkeranlagen eingenistet hatten.

Leider waren auch, wie jedes Jahr zu diesem Anlass, Unmengen von Leuten auf Straßen und Wegen. Naja, sei’s drum, hat trotzdem Spass gemacht.

Und aus gegebenem Anlass habe ich mich eines Frühwerkes erinnert, es gesucht,gefunden und nach elf Jahren endlich nach Hause gebracht.


Winterfahrers Frühlingsgebet

Als an einem Frühlingsabend,
ich einst saß, die Wunden labend,
die des Tag’s geschlagen mir
wurden im Großstadtrevier,
traurig auf den Treppenstufen,
war es Zeit, den Herrn zu rufen,
um für das, was ich erlitten,
seinen Beistand zu erbitten.

„Ooh Herr, lass wieder Winter werden!
Laß Schnee und Eis sein hier auf Erden!
Laß pfeifen scharf den Wind aus Norden
denn sieh, wie voll sind sie geworden
die Wege, die ich froh befuhr
als Winterschlaf hielt die Natur.
Kaum daß die ersten warmen Strahlen
die kühle Erde wärmen, fallen
sie über alle Wege her,
behindern dreist den Radverkehr.
Fette Jogger, schweißgetränkt,
das Gesicht zur Faust verrenkt.
Kriegen um sich nichts mehr mit
weil ihnen bei jedem Schritt
Winterspeck und Atemnot
den Garaus zu machen droht.
Mammis, die im Kinderwagen
lüften ihre lauten Blagen.
So, als würde dazu ihnen
jeder Fußbreit Weges dienen.
Ebenfalls zahlreich vertreten
Frauchen mit dem Floh-Planeten.
Übern Weg spannt Fiffi seine
unscheinbare langen Leine.
Oh, wie schnell hängt in der Speiche
Schnur mit samt der Hundeleiche.
Skater, Walker, Eisverkäufer
Schleicher, Torkler, Rückwärtsläufer…
Herr, mach, daß es Winter wird
und das ganze Pack erfriert!“

Drauf sprach der Herr, leicht zornesrot,
„Fahr auf der Straße, du Idiot“

 

 

(Ja, ich weiß, aber ich war jung…)