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Wie konnte es dazu kommen?

2013
04.18

Reicht es denn nicht, sich freiwillig an das untere Ende der Verkehrsgesellschaft zu begeben, indem man Fahrrad fährt? Muss es denn auch noch ein Liegerad sein?

Was man von Typen zu halten hat, die Liegerad fahren, weiß man ja. Alles Spinner. Irgendwie. Die heißen alle Andreas und haben nicht alle Pollen in der Blüte.
Ja, war mir alles klar, als ich mich entschieden habe.

Vor ein paar Jahren hatte ich einen Unfall mit dem Rad. Die Schulter war kaputt und es dauerte lange, bis ich sie wieder vollständig bewegen konnte. Was blieb, war die Unfähigkeit, ohne Schmerzen in Schulter und Nacken über längere Zeit Fahrrad zu fahren. Nach 60-70km wurde es unerträglich. Alle möglichen Versuche, gegenzusteuern, schlugen fehl. Der Spaß am Fahren ging flöten, kurze Strecken waren noch drin, lange Radtouren fanden nicht mehr statt. Meine Stimmung, mein Wohlbefinden und mein Bodyindex gingen in Richtungen, die mir nicht gefielen.

Dass ein Liegerad die Lösung sein könnte, war mir recht schnell klar. Langsam, sehr langsam tastete ich mich an das Thema ran. Bei diesen Preisen wollte die Anschaffung wohl überlegt sein. Vier Jahre sind es dann geworden bis ich zuschlug.

In den Wochen danach war mein Ärger wirklich groß. Und zwar darüber, dass ich das nicht schon viel eher gemacht hatte. Nur soviel, es war eine Offenbarung.

Die Vorzüge eines Liegerades in Bezug auf Bequemlichkeit anzupreisen, spare ich mir hier. Liegendfahrern sind sie bekannt. Die anderen finden leicht ausreichend Lesestoff, wenn es sie interessiert.

Nach einem halben Jahr waren Touren mit 150km kein Problem mehr, es konnten nun wieder größere Ziele avisiert werden. Vorläufiger Höhepunkt war letztes Jahr meine Tour von Hamburg nach Prag. Selten hatte ich soviel Spaß und Vergnügen am Radfahren wie auf dieser Reise.

Und wenn der Preis dafür ist, mit Andreas angesprochen zu werden, bin ich großzügig und zahle gern.