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Na, schon mal in einem Klischee gesessen?

2013
08.29

Wenn mal wieder 29. August und bestes Wetter ist, setzt euch doch mal in Vlissingen ins Raymondo, vorne erste Reihe an der Strandpromenade. Kino ohne Geld. Naja, fast, Essen und Trinken kostet natürlich. Die Abendsonne pieselt noch einen güldenen Schleier auf die plätschernte See, bevor sie sich in den westlichen Dünen verdrückt und keine dreihundert Meter vor der Tischkante fahren die hässlichsten Schiffe vorbei seit Poseidon das mit dem auf dem Wasser fahren frei gegeben hat. Wo ist eigentlich der Klabautermann, wenn man ihn mal braucht. Sagte ich schon, dass die See leise plätschert? Und der Wind weht milde und als ob das nicht schon genug wäre, läuft im Hintergrund Purple Rain von Prince. Man muss schon ein alter Zyniker wie ich sein, wenn es einem dabei nicht warm das Bein runter läuft. Isses nicht schön? Die Dorfjugend macht Schaulaufen auf Moppets oder VW-Polos, bei denen das Radio den meisten Sprit verbraucht und gerade fährt das vierte Mal ein Typ auf einem viel zu kleinem Klapprad ohne Luft auf den Reifen die Promenade runter. Schwer zu übersehen, der ist rund wie ein Buslenker und ich bin froh, wenn er noch mal vorbei kommt. Dann ist er wenigstens nicht final über die Kaimauer geflogen. Herrlich, diese Holländer. Darf man doch sagen, oder?
Die Tour von Westende nach Vlissingen war sehr angenehm. Dafür, dass es in Belgien wirklich Spaß macht, Rad zu fahren, sind die Wege viel zu gut und das Land viel zu klein. Man ist einfach zu schnell durch damit. Deswegen habe ich auf meine Lifetime-to-do-List noch heute Mittag meine persönliche Flandernrundfahrt gesetzt. Nur Belgien, sonst nix.
Auf Anraten bin ich über Brügge gefahren. Wirklich sehenswert, sehr schöne Stadt. Aber selbst Ende August ist die Innenstadt voller Menschen. Gefühlte 5 Millionen Japaner, der Rest Russen, Amis und Deutsche. Und ich mittendrin. Auf einem Liegerad über den Marktplatz von Brügge zu fahren schafft man nur mit eingewachsenem Selbstbewusstsein. Ich kam mir vor wie im Zoo, alles drehte sich um und halb Japan rätselt jetzt, was der komische Mann da fährt auf dem Bild von Vaddi-San. Wäre ich den selben Weg nackt gelaufen und hätte einen toten Storch hinter mir her gezogen, das wäre nicht halb so Aufsehend erregend gewesen für die Touris. Brügge sollte mich an der Kurtaxe beteiligen.
Untergekommen bin ich auf dem Zeltplatz De Nolle in Vlissingen. Das ist eigentlich eine Tennisanlage, da haben sie den Parkplatz verkleinert und Camping drum rum angelegt. Fremder, kommst du je nach De Nolle, bring Zeltheringe aus gehärteten LKW-Federstahl mit und einen Vorschlaghammer. Anders bleibt das Zelt nicht auf dem komplett rasenlosen, verhärteten Kiesboden haften. Denen sollte mal jemand erklären, dass das mit den Siemens-Lufthaken ein Witz war.
Morgen fahre ich mal an der Geburtsstätte meines Liegerades vorbei. Mal sehen, was so geht. Ich will mal ein 26 Zoll Probe fahren und noch einige technische Details erklärt bekommen. Dann gehts weiter nach Rockanje, dort ist zur Feier des Tages mal ein Hotelzimmer gebucht. Als dann…