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Meine Frau hat recht gehabt

2013
09.01

„Iss nie etwas, von dem du nicht weist, was es ist“ und ich füge hinzu: „Was du nicht aussprechen kannst“. Gestern Abend war ich noch in einem Restaurant, um die Speicher wieder aufzufüllen. Nun hatten die Leute dort keine Speisekarte in einer Sprache, die nicht gegen die Genfer Konvention verstößt und so hab ich mir das viertteuerste Gericht ausgewählt. Die Buchstabenfolge war lustig anzuschauen und der Kellner hat mir auch nicht dringend von meiner Wahl abgeraten. Keine Ahnung, was es war, jedenfalls hab ich heute Nacht viel Zeit auf dem Klo verbracht. Ich will das jetzt nicht zwangsläufig aufs Essen schieben, der Grund kann auch das sein, was man hier als Bier angeboten bekommt. Morgens ging es dann wieder, der Kaffee und das Frühstück hab ich nicht wieder hergegeben bis jetzt. Aber meine Laune war heute morgen nicht die beste und irgendwie hatte ich auch kein gesteigertes Verlangen, wieder einen ganzen Tag durch schöne Dünen zu fahren. Und so habe ich beschlossen, die Route zu ändern. Der Weg ging dann durchs Hinterland und nicht, wie vorgesehen, an der Küste entlang. Das waren 30 km Ersparnis und so habe ich es ruhig angehen lassen. Unterwegs noch ein zweites Frühstück und trotz dunkler Wolken am Himmel besserte sich mein Befinden merklich. So kam es, dass ich schon recht früh in Den Oever aufschlug, wo Übernachtung geplant war.
Durch meine gestrige Abbitte in Sachen Gegenwind hatten die Elemente ein Einsehen und schickten einen recht starken Wind aus Westen. Und das war genau die Windrichtung, die ich bei meinem Ritt über den Afsluitdijk brauchte. Geplant war der erst morgen, aber da ich wieder fit war und die Gelegenheit günstig, hab ich das gemacht, worauf ich mich schon die ganze Reise gefreut hatte. Einmal mit dem Rad bei Rückenwind 30 km fast nur gerade aus fahren. Gut, das ist jetzt intelektuell nicht sehr anspruchsvoll und ich verlange nicht, das jeder versteht, wo da der Spass dran ist. Aber genau das hat es gemacht, einen Heidenspass.
Wisst ihr, wie das ist, wenn man draußen ist und das Wetter ein dunkles, grimmiges Gesicht aufsetzt und so tut, als würde es jeden Moment mit allem Hässlichen, was es zu bieten hat, über dich her fallen. Und es dann doch nicht tut. Wenn es ständig bedrohlich mit dem Windfinger nach dir schnippst und du dich dabei ertappst, wie du den Kopf einziehst und dich klein machst wie ein getretener Hund. Man hört förmlich, wie die Elemete dir von allen Seiten die Warnung um die hängenden Ohren hauen: „Benimm dich, du kleiner Wicht, sei bloß vorsichtig. Du hast hier nix zu melden. Benimm dich, soooonst…. ….pppiss ich dich an!!1“ So ging das heute den ganzen Tag. Manchmal wünschte ich, es hätte angefangen zu regnen, dann wäre endlich diese bedrohliche Spannung weg. Irgendwie. Hat es aber nicht. Nur Wind, dunkle Wolken und noch mehr Wind. Glücklicherweise meistens von hinten, das hat einiges leichter gemacht und liess Holland doch wieder irgendwie flach wirken.
Morgen soll es wieder freundlicher werden, ich freue mich drauf.