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Epilog

2013
09.09

Seit fast einer Woche bin ich nun schon wieder zurück und schulde noch den letzten Tag und das Ende der Reise. Tja, kaum ist man wieder zu Hause, lässt die Blogdisziplin nach.

Das mit dem Renovieren war natürlich Quatsch, der wahre Grund, warum ich von Leer nach Hamburg den Zug genommen habe, wurde mir nach nicht einmal zehn Kilometern auf deutschen Straßen wieder klar. Es macht einfach keinen Spaß, in Deutschland Rad zu fahren. Schon gar nicht, wenn man die letzten Tage sehr entspannt und zügig unterwegs war, wie das für Radreisende in Belgien und Holland der Fall sein kann. Im Vergleich dazu ist die Situation in Deutschland einfach nur mit unflätigen Worten zu beschreiben.

Egal, der letzte Tag war noch einmal ruhig und entspannt. Zwar war der Himmel bedeckt, aber es war trocken und warm. Die Bräute des Windes machten einen exzellenten Job und bliesen mir kräftig in den Rücken. Auf den kurzen Wegstrecken mit Gegenwind wurde mir noch mal klar, wie viel Glück ich auf dieser Reise hatte. Nicht nur mit dem Wind, auch mit dem Rest des Wetters.

Für die letzte Übernachtung hatte mir mein GPS noch mal ein Hotel am Wegesrand rausgesucht. In Pieterburen bekam ich ein schönes, großes Zimmer. Groß genug, um auch dem Rad eine sichere und trockene Bleibe für die Nacht zu bieten. Zum Abendessen gab es Bouillabaisse, dazu ein langes Brett mit kleinen Schalen drauf. Die enthielten Pommes mit Majo, fünf verschiedene Salate und Rhabarberkompott. Ich muss ob dieser Kombination mit einer (übrigens vorzüglichen) Bouillabaisse etwas unsicher geschaut haben, die nette Bedienung erklärte mir aber, diese Latte gibt es dort zu jedem Gericht, egal was es ist.

Am nächsten Morgen ging es dann durch die einsamen Weiten der Ommelande Richtung deutsche Grenze bis nach Leer.

Das ist schon eine besondere Gegend dort. Ich möchte jetzt wirklich nicht den alten Witz vom Arsch der Welt bemühen, den man von dort aus gut sehen kann. Aber selbst Fuchs und Hase sagen sich dort nicht mehr Gute Nacht, weil der Fuchs schon lange von dort abgehauen ist. Weil er eben Fuchs ist und nicht nur einen roten Schwanz hat. Die Zahl der aufrecht gehenden Menschenähnlichen, die mir begegneten, war erschreckend gering. Dafür glotzten mich Unmengen von Schafsaugenpaaren gelangweilt an.

Im letzten Artikel hatte ich ja die Stadt Leer als „die friesische Perle“ geadelt. Nun behaupten böse Zungen, friesische Perlen sind das, womit die Schafe am Deich ihren Stoffwechselprozess beenden und diese Perlen würden dort zu Quadrillionen im Gras und auf den Wegen rum liegen. Noch bösere Zungen sehen da zu Leer keinen Unterschied, aber soweit würde ich dann doch nicht gehen. Zumindest habe ich in Leer keine Schafe gesehen, die ihre Pullover selber produzieren.

Aber das mit den Quadrillionen kann ich bestätigen. Auf den Wegen unterhalb des Deiches lag die Scheiße teilweise knöchelhoch. Das dämpft jetzt zwar die Abrollgeräusche der Reifen etwas, hätte aber ohne Schutzbleche zu einer Drecksorgie geführt, die ich dann doch eurer geneigten Phantasie überlassen möchte. Die ganz Harten dürfen noch die Option „Regen“ mit aufrufen.

Nein, Leer ist ein hübsches Städtchen. Kann man nicht anders sagen. Das war’s dann aber auch schon. Das wichtigste Gebäude in Leer war zumindest für mich der Bahnhof, weil man von dort recht schnell weg kommt aus Leer. Nachdem ich mir eine Schneise durch die durstigen Vertreter bildungsferner Schichten am Eingang des Bahnhofes geschlagen hatte, durfte ich in Ermangelung eines Fahrstuhls mein Rad samt Gepäck noch einmal treppab- und wieder -auf wuchten. Man kann also nicht behaupten, Leer hätte mir den Abschied schwer gemacht, ganz sicher nicht.

Das Umsteigen in Bremen gestaltete sich ähnlich angenehm. Dort funktionierten die Fahrstühle alle, bis auf den einen, der gerade repariert wurde. Ihr ahnt es bereits? Richtig, es war der zu Bahnsteig 10, wo die Züge nach Hamburg abfahren…

Egal, die Reise war viel zu schön als dass ich mir davon die Laune verderben lasse.

Fazit: 770 km in acht Tagen, kein Regen, gutes Wetter, keine Panne, kein Schaden an Mensch und Material. Viel gesehen, viele neue Eindrücke und Erfahrungen. Klingt fast schon ein bisschen langweilig, war es aber nicht. Klare Empfehlung für alle, die auf zu viel unnötige Aufregung verzichten können und entspannt eine Radreise unternehmen wollen.

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich mir noch die GPS-Daten und die Bilder vornehmen, dann gibt es auch noch was für’s Auge.

Bis dann…