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Eigentlich wollte ich ja gestern 

2016
08.30

was aus Antwerpen schreiben,

aber mein Provider war der Meinung,  dass nun Schluss sein muss mit Data senden. Gerne weiter mit gedrosselter Geschwindigkeit, aber Schluss. Ich rege mich da nicht mehr drüber auf, Neuland eben. Heute bin ich schon in Rotterdam und hab ein Restaurant mit freiem WLAN gefunden. Da es noch recht früh am Abend ist, fasse ich die letzten beiden Tage mal zusammen.

In Leuven hatte ich Quartier bei Jenny, einer geschiedenen Hausbesitzerin mit Untervermietung, Studentenbuden und eben Radfahrer Unterkunft. Fast schon Hotelstandard, viele Danksagungen von Studenten im Flur, sehr schön, sehr angenehm. Für 20 Euro incl. Frühstück eine klare Empfehlung. Ich habe auch alle ihre vielen Fragen gerne und ausführlich beantwortet, denn wer weiß, wenn ich wieder mal nach Leuven komme…

Die Stadt selber ist sehr sehenswert. Wenn man dran denkt,  dass deutsche Truppen sie vor 102 Jahren mit samt unwiederbringlichen Kulturgüter niedergebrannt hatten, und im zweiten Weltkrieg ähnliche Zerstörungen stattfanden, kann man nur staunen. Wer um das Schicksal dieser Stadt nicht weiß, würde es nicht glauben. Eine Altstadt, wunderschön wie viele belgische Altstädte, voll mit Menschen. An jeder Ecke Kneipen, Restaurants, ebenfalls voll mit Studenten, Touristen und Einheimischen. Das pralle Leben.

Ich bin nach Leuven gefahren, um herauszufinden, ob und wie diese Ort mit seiner Geschichte auf mich wirkt. Aber man spürt das nicht, alles ist so wunderbar alltäglich und selbstverständlich. Auf dem Platz vor der Universitätsbibliothek machte ich nach meiner Ankunft Pause für das obligatorische Touri-Foto. Zwei ältere Herrn saßen auf einer Bank und sprachen mich auf das Liegerad an. Sie fragten, woher ich wohl komme, ich antwortete wahrheitsgemäß und ich erntete ein herzliches Willkommen und ne Einladung auf ein Bier. Ein belgisches Bier natürlich, denn das sei ja wohl unbestritten das beste Bier der Welt. So geht Europa, Freunde, nur so.

Ich hab dann in einem Grillrestaurant aus Versehen All-you-can-eat Spareribs bestellt und der Koch hat’s mir richtig gegeben. Diese Jahr keine Spareribs mehr.

Die Reise von Leuven nach Antwerpen begann mit einer halben Stunde Platzregen. Das musste wohl sein nach zwei Tagen Tropenhitze.

Untergekommen bin ich in Antwerpen wieder wie vor zwei Jahren bei Marleen.  Ich hab ihr von meinem Desaster von vor zwei Jahren erzählt und sie war sichtbar geschockt. Und begeistert, dass ein Belgier mir aus der Not geholfen hat. Ich glaube, sie war auch ein wenig stolz.

So, wettertechnisch haben sich die Belgier und Holländer heute nicht lumpen lassen. Geburtstagswetter eben. Nicht zu warm und extra wegen mir hatten sie alle Windräder angehalten. Deswegen gab’s auch keinen Gegenwind. Nur an der Küste hatten sie ein paar angelassen, wohl wegen der Segler.

Und so war ich nach 110 Kilometern rechtzeitig in Rotterdam.

Als ich reinkam nach Rotterdam, kam ich mir vor wie in einer dieser Animationen, wie sie von Immobiliendalern verwendet werden, um Leute für so neue Stadtteile, gebaut auf der grünen Wiese, zu ködern. Die Bäume sahen all gleich aus, breite Straßen, gerade Wege, futuristische Straßenbeleuchtung, saubere Fassaden, alles da wo es sein soll, clean und irgendwie unwirklich.

Überhaupt hat Rotterdam auf Grund der großflächigen Zerstörungen im zweiten Weltkrieg nicht diesen typisch pittoresken Stil wie andere niederländische Städte. Schwer zu beschreiben, ne Mischung aus Hamburg City Nord und Barmbek, wenn ich gefragt werden würde.

Freundlich Gastgeber gibt’s auf alle Fälle auch in Rotterdam. Ältere Ehepaar,  bereitet sich gerade aufs Überwintern auf den kapverdischen Inseln vor. Es gibt schlimmere Schicksale. Fred hat auch ein Liegerad, das Frühstück morgen wird wohl also etwas länger dauern.

So,  morgen Amsterdam,  ich werde berichten.