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Der Herr ist ein Liegeradfahrer …

2013
05.10

…und lässt die Seinen an seinem Feiertag nicht hängen. Nur mit mir hatte er andere Pläne.

Was soll ich sagen? Lustig war’s. Und entgegen anfänglicher Befürchtungen hielt das Wetter auch das, was uns die Meterologen nicht zugestehen wollten.
Dieses Jahr schloss ich mich kurzfristig der Himmelfahrtstour des Hamburger Liegeradstammtisches an. Treffpunkt war in Garstedt am Bahnhof.  Es ging über 43km in westlicher Richtung zu einem Grillplatz bei Uetersen und zurück zur S-Bahn in Pinneberg.

 

Nachdem wir den ersten Regenschauer abgewartet hatten, ging es los. Unterwegs wurde das Wetter immer besser, die Sonne kam raus und die Regenklamotten verschwanden in den Taschen. Da machte es auch nichts, dass Tourguide Morten kurzzeitig etwas orientierungslos war. Mit vereintem Navigationsverstand und den Horden von Himmelfahrts-Feiergemeinschaften folgend ging es auf trocknem Asphalt zügig voran.
Doch dann kam Kilometer 10,5.
Platten vorne.
Mir hatte sowas schon geschwant, bei so halbfeuchtem Wetter kleben die Drecksplitter gerne am Reifen und fahren sich ein. Zuvor lag auch an einigen Stellen Glas mitten auf dem Weg rum.
Macht ja nix, kann passieren, alle haben gewartet. Rad raus, alter Schlauch raus, neuer Schlauch rein, aufgepumpt, 8 Bar, Knall. Neuer Schlauch geplatzt.
Vermutlich hatte ich ihn nicht sauber eingelegt und er war irgenwo eingeklemmt, kein Ahnung.
Gaaanz ruhig, alles wird gut, nicht aufregen, nochmal von vorn. Mit dem zweiten Schlauch klappte dann alles.
Aber auch nur 10 Kilometer weit. Kurz nach der Autobahnbrücke war es wieder soweit. Wieder vorne.
Die Schwellung meines Halses kann unmöglich zu übersehen gewesen sein. Trotzdem warteten alle geduldig, bis ich wieder bereit war.
Bis zum Ziel, einem Grillplatz nördlich von Uetersen, ging dann alles gut. Alle begannen mit der Installation der Grillgerätschaften und machten es sich gemütlich. Ein kurzer heftiger Regenschauer hatte nur aufschiebende Wirkung und nach kurzer Zeit waren alle am Kauen.
Es gab Fleisch, Wurst, Bier, Kaffe, Feuerwerk, Stunteinlagen mit dem Flevo und die anwesende Dorfjugend unterhielt uns mit dem scheinbar sehr beliebten Gesellschaftsspiel „wer kann lauter brüllen als der Ghettoblaster“. Das Projekt „Einbaum-Liegerad“ wurde erörtert und die Geografiekenntnisse der Eingeborenen getestet. Alle hatten Spass und ich hab meinen kaputten Wechselschlauch geflickt.
Kurz vor dem Aufbrechen drohte ein weiterer Regenschauer mit Inkontenenz. Das demonstrative Anlegen der Regenklamotten unsererseits schüchterte ihn jedoch dermaßen ein, dass er das Weite suchte.
Wir machten uns auf den Rückweg und der geneigte Leser darf jetzt mal kurz raten, wie weit ich diesmal kam.
Richtiiiig, 10 Kilometer.
Und damit keine Langeweile aufkommt, steckte der Splitter diesmal im Hinterrad.
(Das Folgende ist nur mit unflätigen Worten zu beschreiben und wird deshalb auf Grund von Zensurbestimmungen nie mehr erwähnt. Nie wieder, hört ihr? NIE!! IST DAS KLAR?)
Immerhin wurde die Zeit von den Mitfahrern ausgiebig dazu benutzt, mal das Fahrzeug von anderen Leuten auszuprobieren. Das ging nicht immer gut, sorgte aber für ein Gleichgewicht beim Gute-Laune-Level.
Bis zum Bahnhof Pinneberg waren es dann nur noch 3 Kilometer, dort hab ich mich dann leicht entnervt in die S-Bahn gesetzt und bin nach Hause gefahren.
Eigentlich unnötig zu erwähnen, ich mache es der Vollständigkeit halber aber trotzdem:
1500 Meter vor der Haustür hatte ich hinten wieder Platten. Aber die Erinnerung an eine Himmelfahrtstour vor fast 30 Jahren, bei der ich unterwegs ein Vorderad neu einspeichen musste, und die Gewissheit, dass es ja immerhin nicht auch noch geregnet hat, ließen mich erhobenen Hauptes und das Lied vom Tod pfeifend das Rad nach Hause schieben.
Ich lass mir doch von 4 Platten auf 45 Kilometer nicht den Vatertag versauen.
Mein Dank gilt meinen Mitfahrern, die geduldig auf mich gewartet haben und mir immer wieder hilfreich zur Seite standen. Es hat Spass gemacht, und das ist die Hauptsache. Es war eine Tour, die in Erinnerung bleiben wird. Und trotz aller Malesche in sehr guter Erinnerung, auch bei mir. 😉