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carpe diem

2013
09.02

diese schöne alte holländische Sprichwort sollte heute meinen Tag bestimmen.
Gelesen habe ich es heute morgen über der Tür an einem alten Bauernhaus, in welchem ein gewisser Te Koop zu wohnen schien.
Übersetzt heißt das ja nichts anderes als „Sieh zu, der Tach is kurz und wie fix is nix gemacht“, und genau das habe ich heute gemacht.
Nach meinem Ritt über den Afsluitdijk gestern hatte ich mir mal einen dieser Mini-Campings ausgesucht. Das sind so frisierte Obstwiesen mit Klocontainer. Als ich ankam, war kein Mensch da. Das Bauernhaus am Eingang war dunkel und abgeschlossen. Lediglich in der letzten Ecke des dahinter liegenden Platzes brannte in einem  Chalet noch Licht und ich wurde bemerkt. Noch bevor ich ein Wort gesagt hatte, erklärte mir der Bewohner in gebrochenem deutsch, dass hier keiner mehr ist, der Besitzer wohnt nicht hier, kommt heute auch nicht mehr und wenn ich Glück habe, morgen auch nicht. Ich sollte irgendwo mein Zelt aufbauen und morgen früh wieder abhauen. Wäre kein Problem. Genau so hab ich es auch gemacht. Es gab warme Dusche, Klo und Strom in 10 Schritten Entfernung, alles umsonst und draußen. Und alles für mich alleine. Mitten in der friesischen Pampa, als Kulisse dunkle Wolken, Meeresrauschen und Sturmgebraus. Klingt heimelig, gelle. Das Abendprogramm stieß da natürlich fix an Grenzen und so lag ich nach dem Bloggen um 9 auf der Matratze und hörte dem Zelt beim Flattern zu.
Trotzdem fand ich guten Schlaf und wollte schon halb acht heute morgen wieder auschecken. Wie vorher gesagt, wollte keiner mein Geld haben. Alles auf dieser Welt konnte ich mir bisher vorstellen, nur nicht, dass jemand in Holland mein Geld nicht will. Die Wunder werden nicht alle. Ich hab dann unterwegs einen Bruchteil des Ersparten in einer alten Kirche in die Kollekte gesteckt. Denen ihr Pastor braucht neue Glocken.
Jetzt rechnen wir mal ein wenig. Gestern 30 Kilometer gemacht, die eigentlich für heute geplant waren. Heute schon halb acht los. Dazu ein Wind, der mir manchmal das Gefühl gab, er wollte mich so schnell wie möglich wieder raus aus Holland haben. Und kein Regen. Bei der Zwischensumme kam heraus, dass ich zu Mittag schon dort war, wo ich eigentlich erst Abends sein wollte. Und unterm Strich kommt raus, dass ich heute 116 km gemacht habe, hundert Kilometer vor Leer bin und morgen Abend zu Hause sein werde.
Ja, es ist beschlossen. In Leer, der friesischen Perle, geht meine Reise schnöde in einem Regionalzug zu Ende. Jemand hat geklagt, dass ihr langweilig ist und sie das Wohnzimmer renovieren möchte. Das kommt mir sehr entgegen, denn Wohnzimmer renovieren kommt nach eingewachsenen Zehnägeln gleich als Zweites auf der Liste der Dinge, von denen ich nie genug bekommen kann.
Aber ich melde mich noch mal, bevor ich Tapete kaufen gehe, versprochen.